Zorro, genannt „Die Pfote“

Wenn ich meinen Kater Zorro ansehe, dann trägt er um die Mitte einen Gürtel mit einem Bund Dietrichen und auf dem Kopf eine kleine Schweißermaske. Denn Zorro hat eine Vorliebe für das Öffnen von Türen, Schlössern und Schubladen.
Wie jede gute Katzenmutter habe ich ihn in der Entdeckung seiner Fähigkeiten gefördert und motiviert, denn ich habe einmal die Katzen-Leckerle vor ihm in meiner Schublade versteckt. Er hat damals den ganzen Nachmittag dazu gebraucht, von allen Seiten probiert, gedrückt, gezogen und sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen gestemmt … bis er den Mechanismus raus hatte und die Schublade tadellos rausziehen konnte. Natürlich habe ich – fasziniert von seiner Hartnäckigkeit und Geschicklichkeit – das Ganze mit reichlich Lob und Leckerle honoriert. Und ihm den Weg zu seiner wahren Bestimmung frei gemacht. Seitdem befingert oder besser bepfotet er leidenschaftlich jedes erreichbare Schloss, verbringt Stunden damit, mit schräg gehaltenem Kopf vor dem Objekt seiner Begierde zu sitzen und über Möglichkeiten nachzusinnen, das Ding zu knacken. Wir sehen ihn bereits lebhaft in unserer Vorstellung mit den Dietrichen hantieren, die Schweißerbrille aufsetzen und das Schloss mit einer lässigen Drehung seiner sensiblen Pfoten eins-zwei-drei knacken. Inzwischen müssen wir nachts die Haustür absperren (was wir hier sonst nie getan haben), da Zorro, von nächtlichen Streifzügen heimgekehrt, einmal höflich maunzt – und wenn dann keiner aufwacht und ihn reinlässt, macht er eben selbst die Tür auf … leider hat er es mit dem Zumachen nicht so …

Seit heute früh sind wir doch ernstlich beunruhigt, weil wir ihn nachdenklich um unser Auto schleichen sahen …

Veröffentlicht in:  on Samstag, 12. Januar 2008 at 17:25 Kommentar schreiben
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Silvester ohne Schokoladensauce

Jedes Silvester kochen wir gemeinsam etwas, was wir beide noch nicht kennen. Dieses Mal dachten wir uns Pangasiusfilet mit pikanter Schokoladensauce aus und dazu knusprige Käse-Nuss-Waffeln. Hier in unserer ungarischen Ecke ist es üblich, mit den Nachbarn großzügige Kostproben von Essen auszutauschen – an Festtagen wie diesem aber verzichten unsere Nachbarn gern auf unsere Gaben, denn die exotischen Geschmackskompositionen, die wir bisher angeboten haben, entlockten ihnen mit kläglich verzogenem Mund ein höfliches „interessant“ (Ich glaube, ich kann ganz gut kochen und uns schmeckt es meistens vorzüglich, aber der ungarische Geschmack unterscheidet sich von unserem in vielen Dingen). Und auch die Erfahrung, dass es bei uns am Nachmittag weder Wein noch Schnaps gibt und ich händeringend unsere riesige, dampfende Teekanne anbiete, hat dazu geführt, dass es die Nachbarn vorziehen, wenn wir bei ihnen zum traditionellen Silvester-Plausch vorbeischauen. (mehr…)

Veröffentlicht in:  on Freitag, 4. Januar 2008 at 19:37 Kommentar schreiben
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Rauhnachtzauber

Ich habe das große Glück, selbständig zu arbeiten und zwar so, dass ich mich dem Lauf der Jahreszeiten anpassen kann. Im Frühling, Sommer und Herbst fordern Seminare, Coachings, Besucher und natürlich der Gemüsegarten, die Obstwiese und die vielen Streifzüge, um die Heilschätze der Natur zu bergen, ihr Recht. Aber jetzt, im Winter, besonders seit es zur Wintersonnwende angefangen hat zu schneien, igel ich mich ein. Der Kachelofen verströmt diese besondere, menschen- und tierfreundliche Wärme. Überall liegen kleine schnurrende Fellbündel rum und die vielen Kerzen halten mit ihrem weichen Schein alles Raue dieser Rauhnächte draußen. Duftende Kräuter und Öle parfümieren die Luft mit Wohlbehagen. Die klaren Töne von „Aquabella“, einem frühen Weihnachtsgeschenk meines besten Freundes, malen goldene Kringel vor mein inneres Auge – da flutscht das neue Buchprojekt viel besser … Ich bin in Feierlaune, weil ich so dankbar bin -  und so froh, über das Licht, das immer und immer wiedergeboren wird. Ich kann es in mir bizzeln spüren, glimmen und kitzeln. Das verlangt nach adäquatem Getränk. Ein Glas ungarischer Sekt … wie blöd, er hat Zimmertemperatur … Der rettende Einfall: Bei der Weinlese habe ich in meiner Not von Was-soll ich-mit diesen-vielen-Trauben-denn-noch-anfangen, den Saft der roten Isabellatraube als Eiswürfel eingefroren. Und nicht etwa langweilige viereckige. Nein, ich habe 4 Liter eiskalt in Stern-, Herz- und Pfeilform gegossen. Und davon kommen jetzt zwei in mein Glas. Gloria – Victoria! Ein fantastisches Getränk ist geboren – hätte das Zeug zum Kult … aber Isabellatraube muss es sein. Ich trinke auf die „staade Zeit“, wie wir in Bayern sagen, die sich mir so fest- und feierlich präsentiert. Danke!

Veröffentlicht in:  on Donnerstag, 27. Dezember 2007 at 22:04 Kommentar schreiben
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Katzen-Kir Forsyth

Eigentlich hatten wir nur zwei Katzen: Zorro und Spökes. Die beiden waren gerade aus dem Alter raus, in dem sie an unseren Vorhängen Pirat gespielt und die Wurmtabletten auf unsere Socken gekotzt haben, da hockten eines Tages zwei kohlschwarze, mauzende Winzlinge auf unserer Gartenmauer und hielten unermüdlich und vor allem unerschrocken (3 große Hunde blicken sich das Maul freudig leckend zu ihnen auf) Schilder hoch, auf denen zu lesen stand „Wir haben ein Recht auf ein Zuhause“. Offensichtlich können unsere Hunde lesen, denn am Abend des gleichen Tages hatten sie beschlossen, eine Patchworkfamilie zu gründen und die beiden Katzenbabies zu adoptieren. Nachdem mein Mann und ich unnachgiebig und knüppelhart entschieden hatten, dass die beiden Eindringlinge im Garten wohnen bleiben, brauchte es nur zwei weitere Wochen bis sich Kathrinchen und Clark Gable nicht nur den Weg in unser Herz, sondern auch in unser Haus erobert hatte. Na ja …

Unser großer Kater Zorro ist ihr Held und auch die eher scheue Spökes leckt ihnen energisch die Köpfchen. Aber eigentlich wollte ich ja von den Barbarazweigen erzählen. Am 4. Dezember schnitt ich also nach altem Brauch im Garten Forsythienzweige für den Barbarastrauß (falls es einer nicht kennt: Blütenzweige, die am 4.12., dem Barbara-Tag, geschnitten und im Zimmer in einer Vase licht und warm stehen, öffnen zu Weihnachten ihre Blüten.) Gemeinhin wird der Strauß weihnachtlich geschmückt, aber das habe ich mir wegen der Katzen schon abgeschminkt (o.k., ganz ehrlich: ich hab ś gemacht, die Katzen haben dran gerupft und innerhalb von 20 Sekunden war mein Barbarastrauß ein Haufen Scherben in einer riesigen Wasserlache – Parkettboden – mmmmhhhh! – und dekorativ mit Berchtesgadener Weihnachtsschmuck verziert.) Ich habe daraufhin die Zweige in einen unzerbrechlichen Sektkühler gesteckt, den ich mit einem schönen Dekoband am Tisch angebunden habe. Davon waren meine vier Katzen völlig begeistert. Sie deuteten die Zeichen und handelten entsprechend: Sektkühler – darin Wasser mit offenbar köstlichem Forsythienaroma – ergibt eine vorzügliche Katzen-Selbstbedienungs-Hausbar. Alle vier trinken nur noch aus dem Sektkühler. Damit so viele Köpfchen Platz haben, werden auch mal lässig ein paar dieser Blühzweige rausgeworfen … Netter Weise überlebt mein Barbarastrauß die rüde Behandlung – und die Katzenmägen das Blumenwasser auch.

 

Veröffentlicht in:  on Sonntag, 23. Dezember 2007 at 12:27 Kommentar schreiben
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Weihnachten in der ungarischen Schneekugel

00009.jpg Unser Weihnachten läuten wir immer mit dem „Wild-Weihnachtsbaum“ ein. Wir – das sind mein Mann, unsere zwei Rabauken-Hundejungs Rico & Johnny, das zierliche Hundemädchen Sophie … und ich – machen uns mit Rüben, Kartoffeln, Nüssen, Kastanien und Meisenknödeln im Rucksack auf den Weg zu unserer speziellen Weihnachtslichtung Richtung Adorjaner Weinberge. Die Hunde jagen ausgelassen über die Hügel und spielen Schneenasebuddeln und Fasane erschrecken. Seit Johnny mal einen erwischt hat, den ich ihn ihm aus dem Maul genommen und wieder ins Gras gesetzt habe, halten mich die Hunde zwar für verrückt, aber belassen es brav dabei, mit Riesensätzen Fasanengesellschaften aufzuscheuchen und dabei möglichst viel Radau zu machen. Seit langer Zeit ist mal wieder Weihnachten draußen weiß verzaubert. (mehr…)