Heute morgen habe ich den toten Körper unseres kleinen Katers Clarky aus dem Wassergraben gefischt. Nein, das wird kein Beitrag zur Trauer um Haustiere. Es geht um das, was dieser Abschied ausgelöst hat: den berühmten Dominoeffekt. Natürlich trauere ich um ein wunderbares Wesen, für dessen Sein ich so dankbar bin und dessen Nicht-mehr-Sein mir so weh tut. Aber meine Traurigkeit geht weit darüber hinaus. Wie wenn dieser kleine starre Körper der Stein war, der in meinen Teich aus Schmerz geworfen worden ist. Der Tod meines Vaters im letzten Jahr rinnt mir tränenweise über die Wangen. Die Bilder von der leeren Plastikflasche und dem Eistütenpapier, zwischen denen mein toter Kater schwamm, schwemmen auch die Bilder des Müllsackes hoch, den sie mir im Krankenhaus gaben, um die Sachen meiner Mutter reinzustopfen, nachdem sie gestorben war. Eine ganze Bilderreihe von Abschieden wirbelt durch meine Gedanken: Abschiede von Menschen, von Orten, von Lebensabschnitten, von Möglichkeiten. Ein weiterer Kreis schwingt in meinem Teich: das Echo von Abschieden der Menschen, die ich kennengelernt habe. Die sich von Organen, Körperteilen oder Körperfunktionen verabschieden mussten. Die Ringe in meinem Teich weiten und mehren sich. Es scheint ins Unendliche zu gehen. Und natürlich formt sich im Zentrum DAS Wort, die EINE Frage: WARUM?
Es gibt jede Menge spiritueller Konzepte, die verschiedene Antworten dazu anbieten. Hierin Trost und Sinn zu finden, ist individuelle Glaubenssache. Doch etwas scheint überall gleich zu sein: Dass sich das dualistische Prinzip unserer Welt in allem widerspiegelt: hell/dunkel, oben/unten, links/rechts, etc. – und offensichtlich beinhaltet die Tatsache, dass wir Verbindungsknoten knüpfen, dass wir sie auch wieder lösen müssen. Aber warum gezwungenermaßen? Warum werden diese Fäden ohne unsere Zustimmung auseinandergerissen? Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass auch das Verknüpfen dieser Art von Verbindungsfäden, also von denen, die Herzensfäden sind, ohne Ihren bewußten Willen und außerhalb Ihrer bewußten Kontrolle zustande kommen? Wir laufen nicht in der Weltgeschichte herum mit einer detailierten Check-Liste in der Hand und suchen uns danach unsere Partner oder Freunde aus. Liebe kommt in Form eines der größten Geheimnisse in unser Leben und unser bewußtes Mitspracherecht wird völlig außer Kraft gesetzt. Und auch die Ebene des psychologisch definierten Unterbewußten, das über Prägungen und Beziehungsmuster funktioniert, reicht bei weitem nicht aus, um das Kommen/Entstehen von Liebe zu erklären. Die meisten von uns können auch in keiner Weise von einer ihnen bewußt getroffenen Wahl ihrer familiären Verbindungsknoten sprechen. Und so, wie wir nicht wahrnehmen, warum sich Liebes- und Lebensknoten knüpfen, so undurchsichtig ist für uns auch die Auflösung dieser Knoten.
Und doch scheint das Ganze an unserer Bindung bzw. Beschränkung zu hängen, unsere Welt durch die Körpersinne zu erfahren. Meine Tiere geben mir hier nicht nur zu denken, sondern auch tiefgehende Lebens-Lektionen: Sie alle (3 Hunde, 3 Katzen) hingen zärtlich an dem kleinen Kater. Unser großer Kater Zorro tauchte nie ohne ihn auf, unsere Katze Spökes packte bei ihm ihre Sprödigkeit beiseite und beschmuste ihn aufs Zärtlichste. Unsere Hunde spielten, beschützten und kosten ihn. Sie wußten viel früher als ich, dass Clarky tot war. Aber ich kann keine Trauer bei ihnen wahrnehmen. Vielleicht, weil ihre Wahrnehmung nicht so physisch beschränkt ist wie unsere. Oder weil sie als Geburtsgeschenk ein Wissen mitgebracht haben, das wir uns erst wieder zurück verdienen müssen: dass Dualität, also Trennung, eine Illusion ist.
Abschied – Verbindungsknoten lösen
Tränenknoten – über die Heilkraft von Selbstmitleid
Selbstmitleid ist bei uns zu einer Art Schimpfwort geworden, ein Dämon, für den man sofort einen Exorzisten holen muss, um das Übel unverzüglich auszutreiben.
Was ist das für eine perverse Haltung, das Mitleiden und Mitfühlen mit anderen als hohen Wert zu preisen, der Anerkennung und Bewunderung verdient, das Gleiche aber, auf die eigene Person angewandt, zu verachten?
Es ist heilsam und wichtig, seinen Gefühlen Luft zu machen. Den Frust, die Enttäuschung, die Trauer, den Neid, die Wut und die Zweifel nach außen zu bringen statt in sich reinzufressen – und zwar durch reden, jammern, weinen und klagen statt Amok laufen oder sich anzünden. Ein berühmtes und hervorragendes Beispiel ist die Klagemauer in Jerusalem, bei der man Gebete auf einem Zettel in die Ritzen steckt und sich dann richtig laut und gesellschaftlich nicht sanktioniert ausjammern kann.
Selbstmitleid ist dann gesunder Teil eines Veränderungsprozesses, wenn man darin nicht versinkt und stecken bleibt. Dazu ist es sehr hilfreich, ein Gegenüber zu haben, das als „Klagemauer“ dienen kann und das Leid oder die Not, die der andere auszuhalten hat, anerkennt. Das bedeutet, dass jemand im Stande ist, zuzuhören und mitfühlend einfach mal sagt, dass das alles wirklich schlimm, traurig, besch….. oder zum Haare raufen ist. Gerade dieses nach außen bringen von Leid, und dann die Anerkennung und Bestätigung von diesem Außen zurück zu bekommen, dass es erlaubt ist, man ein Recht hat, in dieser Situation Mitleid zu erhalten, bringt Erleichterung, Linderung und den Startschuß, zur Veränderung überzugehen. Wenn man auf das eigene Jammern und Klagen – wenn auch oft gut gemeint – nur hört, dass es doch gar nicht so schlimm sei, die Aussichten doch ganz positiv, man solle doch nicht so schwarz sehen, es gäbe doch einen Haufen Lösungsansätze wie x, y oder z, bewirkt das genau das Gegenteil. Denn die Botschaft ist, dass jemand offensichtlich die Leidenssituation/Gefühle nicht sieht, nicht versteht oder für nicht berechtigt hält. Also steigert sich der Betroffene noch mehr hinein, um rüberzubringen, was für ihn Sache ist. Eine Teufels-Spirale, die selten dienlich ist.
Gerade zwischen Frauen und Männern ist hier das Missverstehenspotezial immens groß. Denn während Frauen das Anerkennen und Wertschätzen von Leid unter sich schon immer kultiviert und gelebt haben, also diesen ersten Schritt im Verwandlungsprozess, sind Männer eher auf den Folgeschritt, das Wege finden und Lösen fokussiert. Nun könnte sich das geadezu ideal ergänzen: Frauen achten in der Beziehung darauf, dass dunkle Gefühle nach außen kommen, nicht innen stecken bleiben und Fäulnisgifte entwickeln. Die Männer achten darauf, dass das Selbstmitleid nicht zum Dauerjammern und zur Sackgasse wird, sondern in eine lösungsorientierte Verwandlung gehen kann.
Und gemeinsam hilft man sich dann bei der Umsetzung. Leider ist es meist eher umgekehrt: Frauen klagen ihr Leid, Männer reagieren mit Lösungsangeboten, Frau verstärkt daraufhin Klage und weist alle Angebote zurück bis schließlich die Frau sich unverstanden fühlt, der Mann genervt und der Streit ist perfekt. Oder der Mann sucht verzweifelt, ob nicht doch ein Weg aus seiner Misere rausführt. Statt ihm die Hoffnung zu geben, dass sie Land sieht, bestätigt ihm Frau wertschätzend das Leidige an seiner Situation. Daraufhin will er nicht mehr reden, sie versteht nichts mehr – früher oder später platzt einer …
Aber wenn man um diese Fußangeln weiß, kann man/frau vielleicht doch die tolle Chance nutzen, die Selbstmitleid und Lösungsorientiertheit in sich tragen.
Knotenpunkte des Lebens
Die Knotenpunkte eines Lebens sind unglaublich aufschlussreich. Probieren Sie es aus und listen Sie einfach einmal auf, was und wann ein Knotenpunkt in Ihrem Leben war. Sie würden auch ohne Erklärung ganz instinktiv wissen, was mit Knotenpunkten des Lebens gemeint ist – zumindest würde Ihre Schreibhand es wissen, auch wenn Ihr Kopf noch nach sicherer Definition und Anleitung verlangt.
Knotenpunkte sind Ereignisse im Leben, bei denen sich Schicksalsfäden kreuzen und das entweder in einer sehr erfreulichen Chance seinen Ausdruck findet oder in einer Verknotung, die so drückt und so weh tut, sich als Knoten so spürbar in Erinnerung bringt, dass eine Kurskorrektur, eine Veränderung, ein Umdenken/-handeln eingeleitet wird.
Schauen Sie sich Ihre Liste der denkwürdigen Knotenpunkte Ihres bisherigen Lebens einmal an und zwar ganz genau:
Gibt es Auffälligkeiten?
Gemeinsamkeiten?
Sind die Chancen wahrgenommen worden?
Haben die Knoten zu einer Veränderung geführt?
Gibt es eine Art Rhythmus in der Abfolge?
Wenn noch nicht oder nicht genug Veränderung durch die Knoten stattgefunden hat – was müsste geschehen, um das erreichen? Wie groß müsste der Leidensdruck werden, damit Sie in Bewegung gehen, Altes sein lassen und Neues kommen lassen können?
Was müsste sein, damit sich für Sie aus den Knoten eine Chance formt?
Knoten verbinden aber auch lose Enden Ihrer Lebensfäden, die so unmotiviert herumbaumeln und einzeln für sich entweder zu kurz sind, um sie zu etwas Richtigem werden zu lassen oder man weiß mit dem Faden allein nichts Rechtes anzufangen. Um alle Fäden miteinander zu verbinden und so ein langes Führungsseil zu bekommen, braucht es z. B. einen Knoten …
Wenn Sie über die Knotenpunkte Ihres Lebens nachdenken – welche waren dienlich als Steigbügel und Halt, um höher bzw. weiter zu kommen und welche behindern/behinderten das freie, reibungslose Gleiten? Ist es vielleicht jetzt die Zeit, die Lösung dieser letzteren Knoten anzugehen, ehe wieder einer dazu kommt? Oder sind Sie bereits mitten drin und diesmal schnürt der Knoten zu viel Lebensenergie ab?
Jeder kann seine Knoten alleine lösen – aber um sie zu sehen, aufzufinden und die Art zu erkennen, wie man sie (er)lösen kann, braucht es Hilfe von außen, denn wer in einem Raum drin steht, kann schlecht hineinsehen. Es ist merkwürdig, dass wir es völlig normal finden, mit Körperknoten zu einem Arzt, also einem Helfer im Außen zu gehen, mit den inneren Knoten aber, die oft Ursprung und Heilquelle der Körperebene sind, versteckt im Kämmerlein bleiben. Viele Knoten haben oft als eine der wichtigsten Botschaften: Du bist nicht allein. Du darfst Hilfe haben und bist fähig, selbst anderen Hilfe zu geben. Denn wir sollten als großes Netzwerk miteinander arbeiten, in dem wir alle miteinander verbunden sind – natürlich durch Knoten …
Was am Intensivcoaching so intensiv ist
Alles, was unserer Inneres so verknotet macht – von alten Denk- und Verhaltensmustern über Familienaufträgen bis hin zu Programmierungen – hat sich in uns ja nicht eingenistet, um uns zu ärgern. Im Gegenteil: Irgendwann sollten sie uns beim (Über)Leben und seiner bestmöglichen Gestaltung helfen … wir haben inzwischen bloß den Grund vergessen, vergraben oder weggesperrt. Und auch heute läuft die alte Kinderstrategie automatisch ab, wenn der entsprechende Knopf von unserem Umfeld gedrückt wird, obwohl sie uns in unserem Erwachsenendasein nicht mehr dienlich ist. Aber wenn wir das erkannt haben und es verändern wollen, geht unser Bordcomputer sprich Verstand auf Alarmstufe:
„Tu das nicht! Das kann gefährlich werden! Haben wir mit der alten Strategie nicht xy Jahre überlebt und können darauf bauen, dass etwas, was sich über so viele Jahre bewährt hat, auch weiterhin trägt? Wenn du das auflöst, betrittst du Neuland, von dem wir nicht wissen, ob wir dort überleben können!!!!“ Unser Verstand, der ganz auf Überleben sichern programmiert ist und wie ein Computer nur auf Daten zurückgreifen kann, die er irgendwann einmal abgespeichert hat, fühlt sich existentiell bedroht. Verständlich, oder? (mehr…)
Die Knoten der Erinnerung
Knoten sind seit altersher ein Zeichen, um sich an etwas zu erinnern, etwas zu merken. Und das ist auch eine der Funktionen seelischer und körperlicher Knoten: Sie wollen auf etwas aufmerksam machen. Man soll sich erinnern, dass es hier unaufgearbeitete Sachen, offene Wunden, verschüttete, vernachlässigte, ungelebte Teile gibt.
Knoten, damit wir nicht vergessen: unsere Träume, unsere Bedürfnisse, unsere Verletzlichkeit, unsere Irr- und Umwege und vor allem – uns selbst. Wenn wir uns mit dem beschäftigen, an was der Knoten erinnern soll, dann hat er seine Funktion erfüllt. Er kann gelöst werden. Knoten sind Botschafter einer inneren Welt, die sich oft nicht anders zu helfen weiß, als über Leidensdruck. Denn leider sind die meisten von uns so gestrickt, dass wir erst etwas verändern, uns/etwas erst bewegen, wenn der Leidensdruck hoch genug ist – so hoch, dass es uns zwingt, hinzuschauen, die Verknotungen wahrzunehmen. Nicht mehr zu verstecken, zu ignorieren, zu verleugnen. Kein angenehmer Weg, kein leichter Weg. Aber ein Weg, der einen Sinn in sich birgt und ein Ziel hat:
unser Heil – wie immer das auch für jeden aussieht.