Zorro, genannt „Die Pfote“

Wenn ich meinen Kater Zorro ansehe, dann trägt er um die Mitte einen Gürtel mit einem Bund Dietrichen und auf dem Kopf eine kleine Schweißermaske. Denn Zorro hat eine Vorliebe für das Öffnen von Türen, Schlössern und Schubladen.
Wie jede gute Katzenmutter habe ich ihn in der Entdeckung seiner Fähigkeiten gefördert und motiviert, denn ich habe einmal die Katzen-Leckerle vor ihm in meiner Schublade versteckt. Er hat damals den ganzen Nachmittag dazu gebraucht, von allen Seiten probiert, gedrückt, gezogen und sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen gestemmt … bis er den Mechanismus raus hatte und die Schublade tadellos rausziehen konnte. Natürlich habe ich – fasziniert von seiner Hartnäckigkeit und Geschicklichkeit – das Ganze mit reichlich Lob und Leckerle honoriert. Und ihm den Weg zu seiner wahren Bestimmung frei gemacht. Seitdem befingert oder besser bepfotet er leidenschaftlich jedes erreichbare Schloss, verbringt Stunden damit, mit schräg gehaltenem Kopf vor dem Objekt seiner Begierde zu sitzen und über Möglichkeiten nachzusinnen, das Ding zu knacken. Wir sehen ihn bereits lebhaft in unserer Vorstellung mit den Dietrichen hantieren, die Schweißerbrille aufsetzen und das Schloss mit einer lässigen Drehung seiner sensiblen Pfoten eins-zwei-drei knacken. Inzwischen müssen wir nachts die Haustür absperren (was wir hier sonst nie getan haben), da Zorro, von nächtlichen Streifzügen heimgekehrt, einmal höflich maunzt – und wenn dann keiner aufwacht und ihn reinlässt, macht er eben selbst die Tür auf … leider hat er es mit dem Zumachen nicht so …

Seit heute früh sind wir doch ernstlich beunruhigt, weil wir ihn nachdenklich um unser Auto schleichen sahen …

Veröffentlicht in:  on Samstag, 12. Januar 2008 at 17:25 Kommentar schreiben
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