Silvester ohne Schokoladensauce
Jedes Silvester kochen wir gemeinsam etwas, was wir beide noch nicht kennen. Dieses Mal dachten wir uns Pangasiusfilet mit pikanter Schokoladensauce aus und dazu knusprige Käse-Nuss-Waffeln. Hier in unserer ungarischen Ecke ist es üblich, mit den Nachbarn großzügige Kostproben von Essen auszutauschen - an Festtagen wie diesem aber verzichten unsere Nachbarn gern auf unsere Gaben, denn die exotischen Geschmackskompositionen, die wir bisher angeboten haben, entlockten ihnen mit kläglich verzogenem Mund ein höfliches “interessant” (Ich glaube, ich kann ganz gut kochen und uns schmeckt es meistens vorzüglich, aber der ungarische Geschmack unterscheidet sich von unserem in vielen Dingen). Und auch die Erfahrung, dass es bei uns am Nachmittag weder Wein noch Schnaps gibt und ich händeringend unsere riesige, dampfende Teekanne anbiete, hat dazu geführt, dass es die Nachbarn vorziehen, wenn wir bei ihnen zum traditionellen Silvester-Plausch vorbeischauen.
Jedes Jahr sagen wir uns, dass wir nur schnell ein frohes neues Jahr wünschen, unser kleines Geschenk abgeben und dann unter Berufung der Kocherei unseres Festmahls postwendend wieder gehen. Und das liegt beileibe nicht daran, dass wir nicht gerne mit unseren Nachbarn zusammen sind. Im Gegenteil, eigentlich alle Bewohner unseres kleinen ungarischen Dorfes sind unglaublich freundlich, herzlich und hilfsbereit. Nein, es liegt daran, dass hier zur Gastfreundschaft unbedingt dazugehört, diverse Gläser Wein und vorher, dazu oder/und hinterher ein paar Gläschen Schnaps zu trinken. Und das macht uns jedesmal platt. Jedesmal. Aber diesmal wollten wir ja wirklich unser herrliches Silvester feiern, eine unglaublich samtige Schokosauce mit feurigen Chilis drin zu einem köstlichen Fisch zaubern und nachher tüchtig feiern. Ich bereitete schon mal alle Hauptzutaten in der Küche vor: Schokolade in Stückchen gehackt auf die Anrichte, alles für den Waffelteig und beim Fisch wollte ich tricksen, weil ich ihn zu spät aus der Kühltruhe genommen habe. Ich stellte ihn einfach bei Mini-Temperatur in den Ofen. Die 10 min., die wir bei den Nachbarn wären, würden genau recht sein, um ihn letztendlich fertig aufzutauen.
Es kam wie es kommen musste: Unsere Nachbarn zur Linken machten uns klar, dass es einer tödlichen Beleidigung gleich käme, wenn wir mit ihnen nicht wenigstens ein winziges Schlückchen auf ein gesundes neues Jahr für uns alle trinken. Wir sahen uns hilflos an und übergaben unsere Jacken zum Aufhängen … die wir eine Stunde und mehre Gläser Rotwein später wieder anzogen, um zu den Nachbarn zu unserer Rechten weiterzuziehen. Und es versteht sich von selbst, dass wir kein böses Blut säen können, indem wir bei Julischka und Feri nicht mindestens ebenso lange einkehren. Und ebenso feucht fröhlich. Nach einer Kostprobe von Feris Hagebuttenschnaps und mehrere Zuprostrunden waren wir nicht mal mehr im Stande, die mit Fisch, Kartoffeln und Salat vollgehäuften Teller abzuwehren. Wir hatten eine bedenkliche Schlagseite, als wir nach Hause schwankten und obendrein waren wir nudelsatt. Wir beschlossen, erstmal ein Stündchen unseren Trilli auszuschlafen und dann zu kochen … zumindest war das der Plan bis zu dem Moment, als wir die Küche betraten: Ich hatte den Fisch im Ofen völlig vergessen, der nach 2 Stunden natürlich nicht aufgetaut, sondern fertig durchgegart war und er lag wie ein altes Käsebrot mit trocken aufgebogenen Rändern in seiner Schale. Au weh … Und auch, dass Kater Zorro neuerdings Türen aufmachen kann, war uns entfallen. Er hatte offensichtlich seine kleinen Katzenschützlinge mitgenommen und die drei hatten der Schokolade den Garaus gemacht. Adieu Schokosauce. Wenigstens waren wir eh schon satt. Es wurde dann aber doch noch ein richtig schönes Silvester - wenn auch ohne kreatives Festmahl.
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