Die Knoten der Erinnerung

Knoten sind seit altersher ein Zeichen, um sich an etwas zu erinnern, etwas zu merken. Und das ist auch eine der Funktionen seelischer und körperlicher Knoten: Sie wollen auf etwas aufmerksam machen. Man soll sich erinnern, dass es hier unaufgearbeitete Sachen, offene Wunden, verschüttete, vernachlässigte, ungelebte Teile gibt.
Knoten, damit wir nicht vergessen: unsere Träume, unsere Bedürfnisse, unsere Verletzlichkeit, unsere Irr- und Umwege und vor allem - uns selbst. Wenn wir uns mit dem beschäftigen, an was der Knoten erinnern soll, dann hat er seine Funktion erfüllt. Er kann gelöst werden. Knoten sind Botschafter einer inneren Welt, die sich oft nicht anders zu helfen weiß, als über Leidensdruck. Denn leider sind die meisten von uns so gestrickt, dass wir erst etwas verändern, uns/etwas erst bewegen, wenn der Leidensdruck hoch genug ist - so hoch, dass es uns zwingt, hinzuschauen, die Verknotungen wahrzunehmen. Nicht mehr zu verstecken, zu ignorieren, zu verleugnen. Kein angenehmer Weg, kein leichter Weg. Aber ein Weg, der einen Sinn in sich birgt und ein Ziel hat:
unser Heil - wie immer das auch für jeden aussieht.

Veröffentlicht in: on Samstag, 29. Dezember 2007 at 21:41
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